„Ace in Space – Trident“: Ein Interview mit Autor Christian Vogt

Ach, was war ich doch kürzlich begeistert von „Ace in Space“: Children of Anarchy im Weltall, Repräsentation von marginalisierten Gruppen, progressive Phantastik vom Feinsten. Wie gut, dass Christian Vogt beim Zocken noch weitere Ideen kamen (siehe Interview unten) und daraus die Novelle „Ace in Space – Trident“ entstand.

Ace in Space – Trident | Autor: Christian Vogt | Verlag: Ach Je Verlag
Erschienen am: 11.03.2021 | Seiten: 116

Neue Gang, alte Probleme

CN: Körperliche Gewalt, Kriegerische Handlungen, Blut, Verrat, Fesseln, Sex

Die erfrischend kurze Episode spielt zehn Monate nach den Ereignissen des Hauptteils. Danai, Kian und Neval haben den „Daredevils“ den Rücken gekehrt und fliegen mit einer kleinen Staffel, den „Tridents“, humanitäre Hilfsmissionen. Während einem eigentlich unkomplizierten Lieferauftrag im Hydra-Nebel stößt die Staffel allerdings auf feindliche Schiffe, die ihnen mehr als das Wasser reichen können. Gegen die waffenstarrende Überlegenheit kommen die „Tridents“ nur mit einer List an – und diese List involviert unter anderem einen Spionageauftrag in einer intergalaktischen Sauna.

Ich hatte sehr viel Spaß mit dieser kleinen Novelle, die in verdichteter Form alles enthält, was die Hauptgeschichte schon auszeichnet. Nach dem Ende wollte ich direkt die nächste „Ace in Space“-Novelle lesen, aber Pech gehabt! Aktuell gibt es keine weitere.

Dafür stand mir Christian Vogt in einem kleinen Interview Rede und Antwort. Aber lest selbst…

Von plotrelevanten Sexszenen, Turbokapitalismus und Brotjobs

Hallo Christian,
vielen Dank noch einmal, dass du dir Zeit für dieses kleine Interview zu „Ace in Space – Trident“ nimmst.

Danke für die Einladung!

Zum Buch

Kommen wir zuerst zum Buch. Wie kam dir die Idee zu diesem Zusatzabenteuer um Danai und ihre Gang? Ist die Handlung aus einer verworfenen Idee für „Ace in Space“ entstanden, kam sie dir beim Rollenspiel oder war doch alles ganz anders?

Die Handlung ist erst nach der Veröffentlichung vom zugehörigen Roman „Aces in Space“ entstanden. Ich wollte wissen, wie es mit den Protagonist*innen weitergeht. Dort wurde angedeutet, dass die drei die toxische Welt der Gangs hinter sich lassen, aber weiterhin als Chopper-Jockeys für die richtige Sache unterwegs sind. Ich wollte erkunden, wie genau das aussieht.
Außerdem gibt es zwei weitere Gründe, die sind aber ein bisschen albern. Ich habe eine Menge Star Wars Squadrons gespielt während der Pandemie und war deswegen in Stimmung für eine derartige Novelle… und ich wollte sowas wie eine „plotrelevante Sexszene“ schreiben. Aber verrat das niemandem weiter 😉

Ionisierte Gasnebel, quantenverschränkte Kommunikation, Mikrogravitation – alles erfunden oder intensiv recherchiert?

Teils-teils. Als Physiker habe ich mich vorher schon viel mit der naturwissenschaftlichen Komponente von SF-Erzählwelten auseinandergesetzt. Daher bin ich mit etwas Recherchevorsprung gestartet. Aber einige Dinge habe ich (wie schon im Roman und Rollenspiel) zu Gunsten der Action nicht so genau genommen. Quantenverschränkte Kommunikation ist z.B. eigentlich nicht möglich aufgrund der Unschärferelation, aber ein interessantes SF-Trope, das für die Social Media in „Aces in Space“ eine Menge Potential bietet. 

Danai, die Hauptfigur, hat eine Sprachbehinderung: Sie stottert. Erstmal: Finde ich super, dass Figuren mit Beeinträchtigung und marginalisierte Gruppen in euren Büchern so viel Repräsentation finden! Welche Herausforderungen haben sich dir denn beim Schreiben ihrer Beeinträchtigung gestellt und wie konntest du sie lösen?

Ich stottere selbst, daher lag das Thema nahe. Dennoch musste ich mir natürlich Gedanken dazu machen, wie ich Danai repräsentieren will, und habe mich mit Judith, meiner Frau und Co-Autorin von „Aces in Space“, dazu beraten. Ich wollte darauf verzichten, Stottern lautmalerisch in der wörtlichen Rede darzustellen. Letztlich käme das einem Nachmachen gleich. Stattdessen erwähne ich schlicht, dass sie stottert und wie die Umwelt darauf reagiert. Ansonsten haben wir versucht, in unseren Romanen die Gesellschaft in der Vielfalt abzubilden, wie sie ist. Die progressive Twitterbubble leistet dabei unglaubliche Aufklärungsarbeit zum Thema Repräsentation und ich möchte die Chance nutzen, dafür Danke zu sagen!  

Ich fand es toll, nach „Ace in Space“ noch einmal zu Danai, Neval und Kian zurückkehren zu dürfen, wenn auch nur für knapp 100 Seiten. Können wir Leser*innen da in Zukunft noch mehr erwarten? Oder liegt der Fokus erstmal auf dem Berlin der 1920er und prügelnden Wikingerinnen?

In der Tat liegt der Fokus gerade auf anderen Projekten. Judith und ich schreiben gerade an einem Projekt mit dem Codenamen #GirlsWhoViking. Wir schreiben gerade am Finale. Und im August erscheint Anarchie Déco, unser 20er-Jahre-Krimi mit Physik, Magie und Queerness bei Fischer-Tor. Novellen wie Trident oder Mutterentität (aus dem 13-Gezeichneten-Universum) sind für mich Fun-Projekte, bei denen ich Ecken unserer Roman-Erzählwelten näher erkunde. Gemeinsame Romanprojekte gehen immer vor, aber irgendwann bleibt sicher wieder Zeit für eine Novelle. Erstmal steht aber ein Erzählspiel an: Guerilla Journalists, ein Spiel über Enthüllungsjournalismus, in dem man auch in die Welten von Mutterentität und Trident besuchen kann.

Zu dir

Digitaler Fechtunterricht, Schmiedearbeiten, Rollenspiel-Sessions. Ein Teil deines Alltags lässt sich auf Twitter nachverfolgen. Mich würde interessieren: Wie sieht ein typischer Schreibtag bei dir aus und wo schreibst du generell?

Ich schreibe meist abends und am Wochenende. Leider steht das ein bisschen in Konkurrenz zu meinen anderen Hobbys. Ich habe meinen Brotjob zwar um 10 % reduziert, um mehr Zeit fürs Schreiben zu haben, nach einem langen Tag voller Meetings muss man dennoch erstmal die Power finden, sich wieder an den Rechner zu setzen. Fechten, Schmieden und kreatives Austoben im Rollenspiel hilft natürlich dabei, typische Szenen in der SFF zu gestalten und motiviert auch. Wenn man schon selbst keine Meisterschmied*in ist, kann man wenigstens über welche schreiben. Einen festen Ort habe ich dabei nicht, obwohl ich bei gutem Wetter gerne im Garten schreibe.

Und zuletzt: Wie schaffen wir es, die patriarchale Phantastik zu stürzen und den Literaturbetrieb diverser zu machen? =) 

Wenn ich das nur wüsste! Eine schicke Sache wären offene, gemeinnützige Plattformen zum Tausch von Geschichten, Artwork und Dienstleitungen wie etwa Lektoraten. Die Phantastik ist nun mal Teil einer patriarchalen Buchbranche einer turbokapitalistischen Gesellschaft, und ohne z.B. ein Grundeinkommen sind solche Utopien nicht so leicht zu realisieren. Aber irgendwie muss man ja anfangen. #DiverserLesen anstatt immer nur die üblichen Platzhirsche ist sicher schonmal ein guter Ansatz. Ansonsten liegt viel bei den Verlagen: Own-Voices Platz einräumen und Sensitivity Reading bezahlen. Als weißer cis-männlicher Autor möchte ich vor allem versuchen, ein guter Ally zu sein: Inklusive Sprache verwenden; auf Vielfalt bei den eigenen Geschichten achten; bei Projekten und Panels darauf bestehen, die Boys-Clubs aufzubrechen, Marginalisierten zuhören, aber bei Ismen nicht die Klappe halten!

In diesem Sinne: lasst uns Progressive Phantastik schreiben!

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