„A Thousand Ships“ von Natalie Haynes

In „A Thousand Ships“ geht es um den trojanischen Krieg, bei dem die namensgebenden tausend Schiffe vor der Küste Trojas landeten und der nach zehn Jahren mit der großen List der Griechen und dem Niedergang Trojas enden sollte. Viele legendäre Figuren kämpften in diesem Krieg mit: Achilles, Odysseus, Hector, Paris… klar, alles Männer. Helena spielt zwar auch mit, aber sie ist nur Objekt der Begierde, Kriegsbeute, ohne wirkliche eigene Geschichte.

Wäre es da nicht interessant, den Trojanischen Krieg einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen? Wenn einmal Frauen die handelnden und fühlenden Charaktere wären? Genau das versucht „A Thousand Ships“. Und diese Idee finde ich richtig und wichtig. Schließlich wurden Frauen den größten Teil der Menschheitsgeschichte marginalisiert und zu Randfiguren degradiert – und werden es immer noch. Aber eine gute Idee bedeutet nicht gleich ein gutes Buch, oder?

A Thousand Ships | Autorin: Natalie Haynes | Verlag: Pan Macmillan
Veröffentlicht am: 02.05.2019 | Seiten: 368
Signierte Erstedition von Goldsboro Books

Bekanntere und unbekanntere Frauen

„This is the women‘s war, just as much as it is the men‘s, and the poet will look upon their pain – the pain of the women who have always been relegated to the edges of the story, victims of men, survivors of men, slaves of men – and he will tell it, or he will tell nothing at all.“

S. 176

Die Geschichte um den trojanischen Krieg wird aus verschiedenen weiblichen Perspektiven erzählt. Da sind unter anderem die Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene. Natürlich darf Helena nicht fehlen, die vielleicht zum ersten Mal nicht zum bloßen Objekt degradiert wird. Aber auch Hectors Mutter Hekabe und seine Schwester Cassandra (für mich die interessanteste Figur) kommen zu Wort. Und für die Brise Humor sorgen die zunehmend verzweifelten Briefe von Penelope, der Ehefrau von Odysseus, die nicht nur die zehn Jahre des Krieges auf ihren Ehemann warten muss, sondern noch weitere zehn Jahre, während denen Odysseus Abenteuer und Liebschaften erlebt, die Penelope natürlich durch umherziehende Barden zugetragen werden.

Alle für eine…

Leider bleibt der Schreibstil in den verschiedenen Kapiteln der Frauen (mit Ausnahme von Penelope) zu gleich. Die einzelnen Frauen unterscheiden sich zwar charakterlich, aber jedes Kapitel liest sich dennoch ziemlich ähnlich wie die anderen. Hier hätte ich mir aussagekräftigere Stimmen gewünscht, um die Frauen und ihre (Leidens-)Wege besser unterscheiden zu können. Auch kommt das Buch von der sprachlichen Intensität her nicht an „Ich bin Circe“ von Madeline Miller ran. Es war mir für meinen Geschmack einfach ein Stück zu gleichtönig.

und eine für alle!

Nichtsdestotrotz habe ich „A Thousand Ships“ und den damit einhergehenden Perspektivwechsel gerne gelesen. Ich wünsche mir für die Zukunft in der Literatur noch viel mehr weibliche Sichtweisen, sei es auf geschichtliche Ereignisse oder auch überall sonst. Das Buch ist mutig und wichtig und ein vielleicht ein weiterer kleiner Schritt zur Abschaffung des Patriarchats. Von mir gibt es 3,5 von 5 Gütesiegeln.

„The bards all sing of the bravery of heroes and the greatness of your deeds: it is one of the few elements of your story on which they all agree. But no one sings of the courage required by those of us who were left behind.“

S. 185

Der Song zum Buch

2 Kommentare zu „„A Thousand Ships“ von Natalie Haynes“

  1. Ich hab letztes Jahr das erste Buch der Autorin gelesen, da erzählt sie die Geschichte von Jocasta und Ismene nach und ich hatte eine sehr ähnliche Kritik wie du an diesem Buch: sprachlich rein funktional, überhaupt nichts Besonderes oder Emotionales und die Stimmen der Figuren sind kaum auseinander zu halten. Ich fand es dadurch leider richtiggehend langweilig. Circe fand ich auch um Welten besser! Ich hoffe Madeleine Miller schreibt noch weitere Romane dieser Art über Frauenfiguren 😀 Ansonsten habe ich noch Hoffnung für The Silence of the Girls, aber das habe ich bisher noch nicht gelesen.

    1. Hey Frau Superheldin 🙂

      Von „The Silence of the Girls“ habe ich noch gar nichts gehört, es klingt aber nach der exakt gleichen Geschichte wie hier bei Natalie Haynes. Hoffentlich ein wenig besser umgesetzt. Kennst du denn noch andere Romane über Frauenfiguren, die ein wenig in die Richtung von „Circe“ gehen?

      Liebe Grüße,
      Nico

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